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Hotels als Quartierszentren

Hotels als Quartierszentren: Liegen hier ungenutzte Einnahmechancen?

Hotels müssen längst nicht mehr nur Schlafplätze für Reisende sein. Sie können Treffpunkte im Viertel werden, Dienstleistungen für Anwohner und Gäste bündeln, lokale Wirtschaftskreisläufe stärken und dabei soziale wie wirtschaftliche Ziele miteinander verbinden. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO zeigt nun erstmals auf breiter Datenbasis, welche Angebote in der Nachbarschaft tatsächlich gefragt sind – und wofür Menschen bereit wären zu zahlen.

Unter dem Titel "Future Hotel – 360° Hotel Service Ecosystem Study" untersuchen die Forschenden Hotels nicht als abgeschlossene Betriebe, sondern als aktive Bestandteile ihres Umfelds. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Hotels in ein lokales Netzwerk aus Gästen, Anwohnern und Unternehmen einfügen können.

Bildquelle: muenocchio | Pixabay

Hotels als Teil eines lokalen Ökosystems

Die Studie identifiziert zwei zentrale Entwicklungslinien: Zum einen verändert sich die Rolle von Hotels hin zu sozial verankerten Anlaufstellen im Quartier. Zum anderen eröffnen sich neue Geschäftsmodelle durch zusätzliche Dienstleistungen und flexible Nutzungskonzepte, die über das klassische Beherbergungsangebot hinausgehen.

Besonders gefragt sind laut Untersuchung alltagsnahe Angebote dort, wo es im Viertel Versorgungslücken gibt. An der Spitze der Wunschliste stehen ein Kiosk mit Produkten des täglichen Bedarfs sowie ein rund um die Uhr zugänglicher Supermarkt. Auch Freizeit- und Gesundheitsangebote wie Schwimmbäder oder öffentlich nutzbare Grünflächen stoßen auf reges Interesse.

Ein zentrales Problem liegt jedoch weniger im fehlenden Bedarf als in der Wahrnehmung. Viele Menschen wüssten schlicht nicht, welche Angebote Hotels in ihrer Umgebung bereits machen, erklärt Studienautorin Vanessa Borkmann, Projektleiterin und Leiterin des Forschungsbereichs Stadtsystem-Gestaltung am Fraunhofer IAO.

Klare Erwartungen der Nachbarschaft

Die Befragung zeigt zudem, dass Anwohner klare Vorstellungen davon haben, welche Rolle Hotels in ihrem Umfeld spielen sollten. Rund 60 Prozent der Teilnehmenden sind der Meinung, dass Hotels über ihren reinen Geschäftszweck hinaus einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten sollten. Eine ähnlich hohe Zustimmung gibt es für die Forderung, dass Hotels Verhaltensregeln für Gäste festlegen, um Rücksicht auf lokale Gepflogenheiten und das Zusammenleben im Quartier zu nehmen.

Zahlungsbereitschaft vorhanden – auch für neue Modelle

Neben gesellschaftlichen Erwartungen liefert die Studie auch handfeste wirtschaftliche Daten. So geben knapp 62 Prozent der Befragten an, für Angebote eines „Nachbarschaftshotels“ marktübliche Preise zahlen zu wollen. Etwa jede zweite Person kann sich zudem Mitgliedschaftsmodelle vorstellen, die einen regelmäßigen Zugang zu Hoteleinrichtungen ermöglichen – etwa zu Fitness-, Arbeits- oder Freizeitbereichen.

Bemerkenswert ist auch die Offenheit für alternative Austauschformen: 47,4 Prozent zeigen Interesse an Tauschmodellen, bei denen eigene Leistungen oder Produkte gegen Hotelservices eingetauscht werden könnten, etwa handwerkliche Hilfe oder lokale Erzeugnisse.

Ronja Geißendörfer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IAO, fasst die Ergebnisse so zusammen: Die Erwartungen an Hotels seien eindeutig. Sie sollen wirtschaftlich arbeiten, aber gleichzeitig zur Lebensqualität im Quartier beitragen. Für die Praxis bedeute das, Serviceangebote stärker als Teil lokaler Daseinsvorsorge und sozialer Infrastruktur zu denken – ohne die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren.

Was bedeutet das für die Hotelpraxis?

Aus Sicht des Fraunhofer IAO liefert die Studie eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Hotels, die ihr Angebot neu ausrichten oder erweitern wollen. Sie zeigt, wo reale Nachfrage besteht und welche Services zusätzliche Erlöse versprechen.

Auch Kommunen und Quartiersinitiativen profitieren von den Ergebnissen: Sie erhalten Hinweise darauf, wie Hotels bestehende Infrastruktur sinnvoll ergänzen können – etwa in der Nahversorgung, bei Freizeit- und Mobilitätsangeboten oder als Treffpunkte im Viertel.

Für lokale Unternehmen und Dienstleister eröffnen sich zudem Kooperationsmöglichkeiten, etwa durch gemeinsame Veranstaltungen, Co-Hosting-Konzepte, die Einbindung regionaler Produkte oder gemeinsame Bonus- und Treueprogramme. So kann Schritt für Schritt ein integriertes lokales Serviceökosystem entstehen, von dem alle Beteiligten profitieren.

Quelle: Tophotel


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