Mindestlohn steigt – Hotelbranche im Krisenmodus?
Zimmermädchen, Servicekräfte und Küchenhilfen können sich ab Januar auf ein deutlich höheres Einkommen freuen. Für viele Betriebe im bayerischen Gastgewerbe hingegen bedeutet das neue Existenzsorgen – selbst in beliebten Urlaubsregionen.
Natalja und Uyen arbeiten dort, wo andere entspannen: im Hotel zur Post im oberbayerischen Rohrdorf. Der Ort liegt idyllisch im Landkreis Rosenheim, umgeben von Bergen und nah am Inn. Gerade ist eine niederländische Familie angereist – ihre Zimmer sollen makellos sein. Für das Reinigungsteam bedeutet das: Betten frisch beziehen, staubsaugen, gründlich putzen – und das zügig, denn 113 Zimmer müssen rechtzeitig fertig werden.
Harte Arbeit, geringer Lohn?
Wie viele ihrer Kolleginnen im Hotelgewerbe erhalten Natalja und Uyen derzeit den gesetzlichen Mindestlohn von 12,82 Euro pro Stunde. Für ungelernte Arbeitskräfte ist das gängige Praxis. Doch eine Entscheidung der Mindestlohnkommission sorgt nun für Wirbel: Ab Januar 2025 steigt der Mindestlohn auf 13,90 Euro, ab 2027 dann weiter auf 14,60 Euro. Für Vollzeitkräfte macht das rund 3.700 Euro mehr pro Jahr.
Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht darin einen dringend nötigen Schritt: Viele Beschäftigte im Gastgewerbe lebten bislang am unteren Einkommensrand. Mehr als die Hälfte der über 360.000 Arbeitskräfte im bayerischen Tourismus arbeite laut NGG im Niedriglohnsektor.
Steigende Löhne, wachsende Belastungen
Während Beschäftigte die Erhöhung begrüßen, blicken viele Unternehmer sorgenvoll in die Zukunft. Theresa Albrecht, Inhaberin des Hotels zur Post, schildert die Situation drastisch: „Die Lohnkosten steigen seit Jahren, aber wir können die Preise kaum noch anpassen.“ Sie befürchtet, dass zahlreiche Betriebe – auch in touristisch attraktiven Gegenden – aufgeben müssen.
Die nun beschlossene Anhebung um fast 14 Prozent könnte für manche Unternehmen das wirtschaftliche Aus bedeuten. Zwar sieht Albrecht die Lohnsteigerung grundsätzlich positiv für ihre Mitarbeiter, doch die Gesamtkostenbelastung sei kaum noch tragbar.
Unfaire Wettbewerbsbedingungen
Neben höheren Löhnen machen auch Steuern und Abgaben der Branche zu schaffen. Besonders der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf Speisen sorgt für Unmut. In Österreich etwa – nur wenige Kilometer entfernt – beträgt dieser nur 10 Prozent. Ein klarer Wettbewerbsnachteil, kritisieren viele Gastronomen. Hoffnung macht lediglich die Ankündigung der Bundesregierung, die Steuer ab 2026 möglicherweise wieder auf sieben Prozent zu senken.
Spirale nach oben?
Ein weiterer Effekt bereitet Branchenvertretern Sorge: Mit dem Mindestlohn ziehen oft auch die Löhne für qualifizierte Fachkräfte nach – und das sorgt für zusätzlichen Druck. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt, dass mehrere regionale Tarifverträge durch die Mindestlohnerhöhung faktisch entwertet würden. Präsident Guido Zöllick sieht darin einen Eingriff in die Tarifautonomie und befürchtet, dass die gesamte Lohnstruktur in der Branche ins Wanken gerät.
Personalmangel trifft auf Kostendruck
Die Gastronomie ist stark personalabhängig – von Aushilfen über Minijobber bis hin zu Fachkräften. Thomas Geppert vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband betont, dass der neue Mindestlohn auch tariflich Entlohnte betreffe. Die Differenz zwischen Fachkräften und Ungelernten werde kleiner – ein Umstand, der zu neuen Spannungen bei Tarifverhandlungen führen dürfte.
Klar ist: Die Herausforderungen für Bayerns Gastgewerbe wachsen. Der Druck nimmt zu – nicht nur in den Küchen und Zimmern der Hotels, sondern auch bei den Kalkulationen der Betreiber.
Quelle: BR.de/nachrichten
Bildquelle: Pixabay | LuckyLife11
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